Aktuelles

Der Euregio-Schüler-Literaturpreis 2017 geht an Larry Tremblay

Als auf der Leinwand nur noch zwei Namen übrig sind, ist die Aufregung in der ehrwürdigen Aula Carolina groß: Larry Tremblay oder Thomas Glavinic? Für welchen der beiden Autoren haben in der geheimen Wahl mehr Schülerinnen und Schüler ihre Stimme abgegeben? Am vergangenen Donnerstag, den 23.03.17, sind sie die Juroren und dafür eigens mit Bussen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland zum Kaiser-Karls-Gymnasium nach Aachen gekommen.

Dann geht es plötzlich ganz schnell: Mit den Worten „Und der Gewinner ist ... Larry Tremblay“ verkündet Dr. Oliver Vogt vom EuregioKultur e.V. den Preisträger, während unter dem Jubel des Publikums der kanadische Autor mit seinem Roman „Der Name meines Bruders“ eingeblendet wird. Damit ist die Entscheidung der insgesamt fast 300 stimmberechtigten Jugendlichen gefallen. Seit Oktober haben sie die sechs nominierten Werke im Unterricht behandelt, die Autoren in Lesungen live erlebt und sich in organisierten Diskussionsrunden mit Profikritikern ausgetauscht. Heute galt es, in Kleingruppen Plädoyers für den eigenen Favoriten zu erarbeiten und die anderen zu überzeugen.

Bei ihrer Ankunft erhalten die Jugendlichen Platzkarten mit zufälligen Nummern. So sitzen beim gemeinsamen Essen niederländische, deutsche und belgische Schülerinnen und Schüler bunt gewürfelt zusammen und kommen ins Gespräch. Es ist dieser grenz- und sprachübergreifende Austausch über die Literatur, die auch den 16. Euregio-Schüler-Literaturpreis auszeichnet.

Auf einen weiteren Höhepunkt steuert der Jurytag zu, als per Skype der frisch gekürte Gewinner dazugeschaltet wird. Als die Verbindung steht, blickt ein sichtlich überraschter und gerührter Larry Tremblay in die winkende Runde. Diesen Preis gerade von einer Schüler-Jury zu erhalten, sei eine „große Ehre“, sagt er, während erneut Jubel aufbrandet. Eine wichtige Auszeichnung für ein gesellschaftspolitisch hochaktuelles Buch also, denn in „Der Name meines Bruders“ geht es um Bruderliebe und Terror zugleich. Gerade diesen realgeschichtlichen Bezug hatten viele Schülerinnen & Schüler in ihren Plädoyers hervorgehoben.

Die feierliche Übergabe des Euregio-Schüler-Literaturpreis 2017 an Larry Tremblay findet am 10.05.17 im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Eupen statt. Weitere Bilder vom Jurytag gibt es hier zu sehen.

„Die Euregio liest“: Abstimmung beim „Orde van den Prince“

Dass unser Literaturprojekt Die Euregio liest mit dem Euregio-Schüler-Literaturpreis grenzüberschreitend begeistert, zeigt der flämisch-niederländische Orde van den Prince. So haben sich auch in diesem Jahr wieder lesefreudige Mitglieder beim Regionaltreffen am 16.03.2017 in Heerlen zusammengefunden, um über die diesjährigen Nominierungen zu entscheiden.

Analog zu dem Verfahren des Jurytages beim Euregio-Schüler-Literatupreis wurde in 5-minütigen Kurzplädoyers nacheinander für jedes einzelne der zur Auswahl stehenden Bücher (eine Übersicht finden Sie hier) geworben. Bei der anschließenden Verteilung der Stimmzettel stieg dann die Spannung bei Rednern und im Publikum gleichermaßen, denn jeder hatte alle sechs Romane selbst gelesen. Wer würde seine persönliche Wahl nach den vorgebrachten Argumenten noch einmal überdenken?

Für die tatsächliche Wahl beim Euregio-Schüler-Literaturpreis spielen die Stimmen heute natürlich keine Rolle, spannend ist ein Vergleich mit der Abstimmung der Schülerinnen & Schüler aber trotzdem. So steht auch in Heerlen ein Name weit oben: Auf Larry Tremblay, den diesjährigen Preisträger, entfallen 11 von 38 Stimmen. Damit landet er mit seinem Roman „Der Name meines Bruders“ bei der Wahl der Mitglieder des Orde van den Prince auf dem zweiten Platz. Knapp überholt wird Tremblay nur noch von Robert Seethaler mit 12 Stimmen. Dritter wird Tommy Wieringa, der 10 Wähler hinter sich versammeln konnte.

Der Orde van den Prince ist eine unpolitische Vereinigung, deren heute rund 3000 Mitglieder aus Flandern und den Niederlanden sich der niederländischen Sprache und Kultur sowie dem friedlichen Austausch verpflichtet fühlen. Seinem Leitspruch Amicitia et tolerantia folgend setzt sich der Verein seit seiner Gründung 1955 für Freundschaft, Respekt und Toleranz ein.

Programm 2017

Hier können Sie unser aktuelles Programmheft einsehen und herunterladen.

Verleihung des 15. Euregio-Schüler-Literaturpreises an Joachim Meyerhoff

© Heike Lachmann

Bei der feierlichen Preisverleihung im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen ehrten die Schüler ihren Preisträger mit Laudationes in den drei Sprachen der Euregio und sorgten für ein qualitativ hochwertiges musikalisches Rahmenprogramm.

Vertreter aus Politik und Kultur hielten Grußworte, beglückwünschten den Preisträger und würdigten die besondere Bedeutung, die der Euregio-Schüler-Literaturpreis als Länder- und Sprachgrenzen überschreitendes Projekt in der Region einnimmt. Sogar unser Schirmherr Martin Schulz meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort (zum Anschauen hier klicken).

© Heike Lachmann

Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Übersetzerinnen Corinna Gepner (für die Übersetzung des Romans ins Französische) und Josephine Rijnaarts (für die Übersetzung ins Niederländische).
Die Preisgelder in Höhe von 5.000,- Euro für den Preisträgerroman, sowie 1.000,- Euro für seine Übersetzung ins Niederländische stiftet die Bürgerstiftung für die Region Aachen. Der Berliner Cornelsen Verlag stiftet 1.000,- Euro für die Übersetzung ins Französische.

 

Fotos der Veranstaltung gibt es hier zu sehen.

Ein Interview mit Joachim Meyerhoff (Aachener Nachrichten vom 22.04.2016) kann man hier nachlesen.

 

Der Euregio-Schüler-Literaturpreis 2016 geht an Joachim Meyerhoff

Plädoyer einer belgische Schülerin

Am Donnerstag, dem 17.03.2016, war es endlich soweit: Der Jurytag des 15. Euregio-Schüler-Literaturpreises fand statt − dieses Mal ausgetragen im niederländischen Brunssum am Romboutscollege.

Über 200 Schüler der teilnehmenden Schulen aus der gesamten Euregio kamen hier zusammen, um aus sechs nominierten Werken ihr Lieblingsbuch auszuwählen:

„Die Glücksfabrik“ von Saskia Goldschmidt, „Die Lebenden reparieren“ von Maylis de Kerangal, „Im Griff“ von Stephan Enter, „Die kleine Kommunistin, die niemals lächelte“ von Lola Lafon sowie „Frühling der Barbaren“ von Jonas Lüscher und „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Joachim Meyerhoff.

Die vergangenen Monate über waren diese Werke Gegenstand ihres Schulunterrichts und sie besuchten Lesungen der nominierten Autoren sowie Kritikerrunden mit professionellen Literaturkritikern.

Nach der Begrüßung um 13 Uhr und einem vom Romboutscollege gestifteten gemeinsamen Mittagessen, bei dem die Schüler länder- und sprachübergreifend gemischt zusammensaßen, ging es über in die Vorbereitungsphase zur Wahl: Sie ordneten sich sprachlich getrennten Gruppen zu ihrem jeweiligen Lieblingsbuch zu und verfassten gemeinsam ein Plädoyer in ihrer Muttersprache, in dem sie begründeten, warum der von ihnen gewählte Autor den Preis gewinnen sollte. Nachdem die Plädoyers dann im Plenum vorgetragen worden waren, ging es schließlich an die Wahl. Die Spannung war den Schülern deutlich anzumerken! Im Vorfeld hatten sich Tendenzen zu Joachim Meyerhoff und Maylis de Kerangal abgezeichnet – wer würde das Rennen machen?

Als gegen 16.30 Uhr endlich das Ergebnis verkündet wurde, brach Jubel aus: Joachim Meyerhoff hatte mit seinem Buch „Wann wird es wieder so, wie es nie war“ gewonnen! Unter den Anhängern von Maylis de Kerangal war die Enttäuschung spürbar, denn de Kerangal lag von der Stimmenzahl her nur knapp hinter ihm. Doch als Meyerhoff per Telefon und Lautsprecher kontaktiert und die Schülerinnen, die das deutschsprachige Plädoyer auf ihn gehalten hatten, ihm die erfreuliche Nachricht überbrachten, feierte der ganze Saal unter großem Applaus den frisch gebackenen Preisträger. Der sowohl vom Sieg als auch von der Größe der Veranstaltung überraschte Autor brachte seine Freude und seinen Dank zum Ausdruck und freut sich nun auf die feierliche Preisverleihung, die am 20.04.2016 um 18 Uhr im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen stattfindet.